Einzelstimmen IV

Unbekannt

Alle Sorgen des Alltags wieg ich auf mit der Liebe zu dir.
Du bist die Freude meines Herzens.
Wenn ich dich höre, sehe oder spüre,
verschmelzen meine Gedanken zu Dankbarkeit.

Schwöre mir nicht deine Liebe und verschreibe mir nicht deinen Leib.
Sei nur du selbst, und ich werde glücklich sein.
 

Jean Vanier

Lieben ist weder schöne Dinge zu tun noch Hilfe zu leisten.

Lieben ist die Schönheit zu enthüllen, dem anderen zu offenbaren, dass er kostbar ist, dass er einen Wert hat und dass er einen Sinn in seinem Leben hat.

Jemanden lieben heißt ihm zu sagen: „Ich freue mich über deine Gegenwart.“
 

Johannes Cassian

Wer seinen Willen dem des anderen unterwirft, ist im Allgemeinen der stärkere Partner, als wer hartnäckig an seinen Behauptungen festhält und sie verteidigt.

Wer den anderen aushält und erträgt, zeigt sich stark; wer dagegen schwach, fast krankhaft veranlagt ist, den muss man vorsichtig und sanft behandeln; manchmal muss man dem anderen um seiner Ruhe, seines Friedens und Heils willen auch in notwendigen Dingen nachgeben.

Niemand soll dann glauben, er habe etwas von seiner Vollkommenheit verloren, weil er wider Willen einen Kompromiss eingegangen ist; vielmehr soll einer wissen, dass er die Gabe der Geduld und der Langmut erlangt hat.
 

Lucius Annaeus Seneca

1  Wer könnte frei bekennen, er habe noch gegen kein einziges Gesetz verstoßen? Und wäre es der Fall, was für eine begrenzte Unschuld ist es, nach dem Gesetz gut zu sein?! Wie viel weiter reichen die Gebote der Pflicht als die des Rechts?! Wie viel fordern Nächstenliebe, Menschlichkeit, Freigebigkeit, Gerechtigkeit und Treue – und das steht nicht auf den Gesetzestafeln.

Ich will so leben, als wüsste ich, dass ich für andere geboren bin, und der Natur dafür dankbar sein. Mich einen hat sie allen geschenkt, mir einem alle. Und wenn die Natur mein Leben von mir zurückfordert, will ich mit dem Bekenntnis aus ihm scheiden, dass ich mein gutes Gewissen liebte, gute Bücher, und dass ich niemandes Freiheit beschnitten habe, am wenigsten meine eigene.
 

Jean Vanier, mit freundlicher Zustimmung
Johannes Cassian, Lucius Annaeus Seneca: Quellen nicht erinnerlich


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