Einzelstimmen II

1

Einst sprach Rabbi Rafael: „Wenn ein Mensch sieht, dass sein Gefährte ihn hasst, soll er ihn mehr lieben. Denn die Gemeinschaft der Lebendigen ist der Wagen der Gottesherrlichkeit, und wo ein Riss im Wagen ist, muss man ihn füllen, und wo der Liebe wenig ist, dass die Fügung sich löst, muss man Liebe mehren auf seiner Seite, um den Mangel zu zwingen.“

Als er einmal auf einer Fahrt war, rief der Rabbi einem Schüler zu, er solle sich zu ihm in den Wagen setzen. Darauf jener: „Ich fürchte, ich könnte es Euch eng machen.“ Und er mit erhobener Stimme: „So wollen wir einander mehr lieben: Dann wird uns weit sein!“
 

2

Ein Anhänger Buddhas besaß eine wunderschöne, kostbare und sehr alte, hölzerne Buddha-Statue, die er verehrte und auf seinen vielen Reisen mit sich nahm. Auf einer Fahrt geschah es ganz unverhofft, dass er von einem Schneesturm überrascht wurde. Gerade fand er noch in einer Scheune Unterschlupf. Nach einiger Zeit zitterte er jedoch derart vor Kälte, dass er befürchtete, sterben zu müssen. Als er schon mit seinem Leben abgeschlossen hatte, erschien ihm der Buddha und fragte ihn: „Warum verbrennst du mich nicht?“

Der Mann bekam große Angst und wehrte sich mit aller Macht gegen diese Idee. Doch der Buddha lachte und sagte: „Wenn du mich in der Statue suchst, wirst du mich niemals finden. Ich bin in keinem Objekt, ich bin im Verehrenden. Ich bin es, der in dir zittert. Also verbrenne diese Statue!“
 

Quellen nicht erinnerlich


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